Musculoskeletale Ursachen der Hufrehe

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Musculoskeletale Ursachen der Hufrehe



Rhabdomyolysis
Nach neuen Forschungserkenntnissen werden mehrere verschiedenen Muskelstoffwechselerkrankungen als Ursache für den Kreuzverschlag angesehen. Die ursprüngliche Theorie, dass es sich um eine Übersäuerung der Muskulatur handelt, ist inzwischen widerlegt. Dennoch zerfallen, je nach Schweregrad, gewaltige Mengen an Muskelzellen.
Unter dem Oberbegriff Rhabdomyolyse (Lumbago, Kreuzverschlag, Tying Up, starke Muskelverspannungen) versteht man die Auflösung quer gestreifter Muskelfasern.
Dazu gehören die Skelettmuskulatur, die Herzmuskulatur und das Zwerchfell. Nachgewiesen wird die Rhabdomyolyse durch erhöhte Werte von Enzymen, die normalerweise nur im Muskel vorkommen. Hierzu gehört die Kreatin-Kinase, durch die leichte Muskelschädigungen nachgewiesen werden können. Bei schweren Muskelschäden färbt sich der Urin braun durch die Ausscheidung von Myoglobin. Die Rhabdomyolyse kann in zwei Formen unterschieden werden: der akuten und der chronischen Form

Akutes Geschehen - SER – sporadic exertional rhabdomyolysis
Bei der akuten Equine Rhabdomyolyse handelt es sich um die harmloseste der Varianten. Es liegt keine Stoffwechselerkrankung, kein metabolisches Geschehen zugrunde und die Erkrankung ist in aller Regel heilbar. Dennoch besteht bei diesen gelegentlich auftretenden Kreuzverschlägen durchaus Lebensgefahr, da es durch einen extrem großen Muskelzerfall zur Zerstörung der Niere kommen kann. Die Pferde sterben an Nierenversagen, da die Niere durch die Zerfallsprodukte der Muskulatur verstopft.
Aktuelle Auslöser sind z.B. die belastungsbedingte Überforderung des Organismus. Der sporadisch auftretende Kreuzverschlag – SER - zeigt sich bei Pferden, die über ihren aktuellen Konditionsstatus hinaus belastet werden; bei Pferden, die nach Ruhepausen plötzlich zu großer Leistung angehalten werden; bei Distanzrennen an heißen Tagen, da hier die Pferde über die vermehrten Schweißabsonderung Flüssigkeiten und Elektrolyte verlieren etc. Auch bei Pferden, die durch Influenza oder Herpes-Erkrankungen geschwächt sind und normal trainiert werden, kann es zu Equiner Rhabdomyolyse kommen. Eine weitere bekannte Form ist die Kraftfuttergabe bei Pferden an Ruhetagen bzw. bei nur geringer Arbeitsbe-lastung. Häufig treten die Symptome direkt am Anfang des Trainings auf.
Die häufigsten Symptome sind Bewegungsunwille, extreme Steifheit, Verhärtung der Muskulatur (Kruppe, Lendenbereich, Rücken (evtl. Schulterbereich), starke
Schmerzen, Schwitzen, Tachykardie bis hin zur Myoglobinurie.

Chronische Verlaufsformen - RER und PSSM
Pferde mit einer dieser beiden Erkrankungen leiden an einem Muskelstoffwechselproblem, welches nicht heilbar ist. Dies heißt aber nicht, dass Pferde mit dieser Erkrankung unreitbar sein müssen. Beide Erkrankungen sind vererbbar und in unterschiedlichem Ausmaß genetisch verankert.
RER – Recurrent Exertional Rhabdomyolysis (wiederkehrende Equine Rhabdomyolyse)
Die intrazelluläre Kalzium-Regulation scheint gestört zu sein. Bei ganz normaler Arbeit wirken besonders leicht erregbare Pferde gestresst und hypernervös, was zu Verspannungssymptomen führt. Auch ungenügende Vitamin-E oder Selenversorgung, sowie Verschiebungen im Calcium-Phospor-Gleichgewicht, kommen als Auslöser in Betracht. Durch vermehrtes Schwitzen ist der Elektrolytverlust entsprechend hoch. Die Symptome verlaufen in der Regel deutlich milder, als bei der sporadisch auftretenden "ER". Die Pferde sind steif, zeigen nicht den gewohnten Leistungswillen, sind unwillig sich anzustrengen bzw. schnellere Gangarten anzu-bieten. In vielen Fällen werden die Symptome sogar übersehen, weil sie nicht deutlich ausgeprägt auftreten müssen. Es können auch typische Tying Up-Symp-tome auftreten. Insgesamt zeigen die Pferde ein recht undeutliches und unein-heitliches Bild und es ist durchaus möglich, das der unaufmerksame Reiter die Krankheit nicht bemerkt. "RER" hat nichts mit Überanstrengung zu tun. RER betrifft scheinbar vermehrt hoch im Blut stehende und bewegungsfreudigere Pferde. Und da zumeist Stuten. Nachweis dieser Erkrankung erfolgt z.B. über das Blutbild, in dem sich dauerhaft erhöhte Enzymwerte finden lassen.

PSSM - Polysaccharid Storage Myopathie
auch EPSM - Equine Polysaccharid Speicher Myopathie genannt. Bei PSSM handelt es sich um eine Störung im Kohlenhydrat-Stoffwechsel (Glucogen-Speicher-Störung) mit übermäßiger Einlagerung von Zucker in der Muskulatur, die zum Verschlag führt. In der Forschung wurde die Störung zunächst bei Quarter-Horses entdeckt, später auch bei Morgan-Horses, Warmblütern, aber auch bei Kaltblütern. Pferde mit PSSM zeigen häufig eine sehr ausgeglichene Psyche und eher eine ausgeprägte Musku-
latur. Bei PSSM scheint die Insulin-Reaktion auf Glycose im Futter deutlich heftiger zu sein, als bei gesunden Pferden. Warum der Metabolismus bei PSSM Poly-saccaride (Mehrfachzucker) anders verstoffwechselt und in der Muskulatur speichert, konnte noch nicht abschliessend geklärt werden. Ausgelöst wird der Verschlag durch ganz normale Arbeit. BINGOLD schreibt dazu: Die Pferde sind auffällig bewegungs-unlustig, sind steif und energielos. Das Krankheitsbild ist meist ganz und gar nicht so, wie man sich einen klassischen Verschlag vorstellt, wo sich das Pferd nicht mehr von der Stelle rühren kann. Erschwert wird die Krankheitsbestimmung bei den meisten Pferden dadurch, dass es ein Dauerzustand ist, der eben mal mehr oder weniger ausgeprägt ist. Bei manchen betroffenen Pferden sind die Symptome dann aber schon so stark, dass man deutlich den Verschlag sieht, bis hin zu lebensgefährlichen Episoden. Die definitive Diagnose wird auch hier wieder über die Muskelenzyme gestellt. Bei vielen Pferden liegen die Werte schon im erhöhten Bereich, selbst wenn sie gar nicht gearbeitet werden. Nach einer viertel Stunde leichter Trabarbeit steigen die Muskelwerte um 1000 oder mehr Einheiten an.

Folgende Symptome können bei PSSM auftreten:

▪ Kreuzverschlagsähnliche Symptome bis hin zum Festliegen
▪ sägebockartige Haltung
▪ Hufrehe ähnliche Symptome
▪ symmetrischer Abbau der Muskulatur (speziell am Rumpf, an der Schulter und Oberlinie)
▪ wechselnde Lahmheiten
▪ Probleme bzw. Widersetzlichkeiten beim Rückwärtsrichten
▪ Vermehrtes Schwitzen
▪ asthmatische Atmung – wenn sich das Pferd trotz Muskelverspannung weiter bewegt
▪ "geschwollene" Muskeln
▪ Muskelzittern, hauptsächlich im Bereich der Hinterhand
▪ auch kolikartige Symptome, Krampfkoliken
▪ bei älteren Pferden und lang andauernder Krankheit können die Sehnen, speziell die tiefe Beugesehne, angegriffen sein, so dass es zu Zerreißungen kommt.
▪ Abmagerung

Auszug aus:

Hufrehe bei Pferden
(Pododermatitis aseptica diffusa)

  • Anatomie des Pferdehufes
  • Ätiologie und Pathogenese
  • Ganzheitliche Therapie

Facharbeit der Zusatz-Ausbildung
Energetische Pferdeosteopathie nach Salomon ( EPOS )
Monika Ahrens-Fischer


Coyright Monika Ahrens-Fischer
www.care4vet.de
www.epos-therapie.de

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